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Gesundheit und Krankheit sind häufig gebrauchte Begriffe sowohl im Alltag als auch in der Psychotherapie. Ich möchte Ihnen hier einerseits Definitionen aus der Medizin und Pflege sowie der Integrativen Therapie darstellen aber auch Hinweise auf ein gesundheitsförderndes Verhalten gegeben. Ich möchte Versuchen eine Antwort auf folgende Fragen zu geben: Woher kommt Gesundheit? Wie kann ich gesund bleiben? Welche speziellen Aspekte der psychischen Gesundheit und Krankheit gibt es?

Sowohl die Integrative Therapie mit ihrem Modell der 4 Wege der Heilung und Förderung, der Ausdauertherapie, dem Kreativitätsansatz als auch das Salutogenesekonzept von Antonovsky bieten Antworten.

 

Um von salutogenetischen  bzw. pathogenetischen Faktoren sprechen zu können ist es wichtig die zentralen Begriffe Gesundheit und Krankheit zu definieren.

Für beide Begriffe gibt es unterschiedliche aber teilweise auch sich ergänzende Beschreibungen. Je nachdem welcher Autor oder welche therapeutische Schule vertreten wird, können auch unterschiedliche Konzepte und Auffassungen gefunden werden. Beide Begriffe sind zudem stark kulturell und gesellschaftlich gefärbt.

 

Gesundheit:

Gesundheit ist laut der Weltgesundheitsorganisation ein Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens (Pschyrembel, 2002). Dieser Zustand, wie die WHO ihn beschreibt, ist wahrscheinlich nicht oder nur sehr selten zu erreichen. Vor allem reicht es nicht aus sich körperlich oder auch psychisch gesund zu fühlen. Es wird jeder auf die verschiedenen Ebenen des menschlichen Leibes und der Gesundheit hingewiesen. Es geht hier nicht nur um die körperliche Unversehrtheit, sondern auch um psychisches und soziales Wohlbefinden. Auch die psychosomatische Sichtweise ist hier miteinbezogen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gesundheit mehr ist, als körperlich zu funktionieren.

Dies wird auch in der Integrativen Therapie so gesehen wo Petzold in Stumm und Wirth 1991 von einer Vorstellung des „ganzen Menschen“ in seiner leiblichen, emotionalen und kognitiven Realität und in sozialen und mikroökologischen Bezügen spricht. Gesundheit ist daher auch kulturabhängig. So gibt es beispielsweise psychische Störungen, die spezifisch in bestimmten Kulturen beschrieben werden und nur schlecht in die Internationale Klassifikationen passen (Finerman in WHO, 2010). In anderen Ländern oder bei Naturvölkern ist die Bestimmung einer psychischen Erkrankung eine ganz andere. Gesundheit bzw. Krankheit wird außerdem von verschiedenen Interessensgemeinschaften anders definiert oder diese Definitionen haben einen Einfluss auf die ICD-10. Dies geschieht üblicherweise wenn wirtschaftliche Interessen verfolgt werden.

Nach der Integrativen Therapie wird Gesundheit als „eine subjektiv erlebte und bewertete sowie external wahrnehmbare, genuine Qualität der Lebensprozesse im Entwicklungsgeschehen des Leib-Subjektes und seiner Lebenswelt gesehen. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass der Mensch sich selbst, ganzheitlich und differentiell, in leiblich-konkreter Verbundenheit mit dem Lebenszusammenhang (Kontext und Kontinuum) wahrnimmt und im Wechselspiel von protektiven und Risikofaktoren entsprechend seiner Vitalität/Vulnerabilität, Bewältigungspotentiale, Kompetenzen und Ressourcenlage imstand ist kritische Lebensereignisse bzw. Probleme zu handhaben, sich zu regulieren und zu erhalten, schließlich, dass er auf dieser Grundlage seine körperlichen, seelischen, geistigen, sozialen und ökologischen Potentiale ko-kreativ und konstruktiv entfalten und gestalten kann und so ein Gefühl von Kohärenz, Sinnhaftigkeit, Integrität und Wohlbefinden entwickelt persönliche Souveränität und Lebenskunst“ (Petzold, 2003, S.448). Diese Definition gibt erstmals auch einen Einblick in die Möglichkeiten der Gesunderhaltung bzw. der Einflussfaktoren für Gesundheit. Pflegepersonen sind sicher häufiger mit kritischen Lebensereignissen befasst oder begleiten andere Menschen durch schwierige Situationen. Dies fordert einerseits ein hohes Maß an Kompetenz, fördert aber andererseits auch die eigenen Bewältigungspotentiale und Ressourcen. Durch die Unterstützung anderer können sie ein vielschichtigeres Bild ihres eigenen Leben gewinnen und sehen welche Bewältigungsstrategien hilfreich sind und können diese dann auch für sich selbst nutzen.

Es wird somit klar, dass eine Definition für Gesundheit unerlässlich ist um einen „Ausgangswert“ zu definieren bzw. später Abweichungen von der Norm oder Leidenszustände beschreiben zu können. Um die Gesundheitserhaltenden Maßnahmen im speziellen Lebenskontext von  Pflegepersonen zu beschreiben ist es unerlässlich einen Blick auf die Krankheitslehre bzw. anthropologische Sichtweise von Krankheit zu werfen.

 

Krankheit:

Im Pschyrembel 2002 wird unter Krankheit eine Störung der Lebensvorgänge in Organen oder im gesamten Organismus mit der Folge von subjektiv empfundenen bzw. objektiv feststellbaren körperlichen, geistigen bzw. seelischen Veränderungen beschrieben. Hier wird also von einem sehr organisch geprägtem Bild ausgegangen.

Eine Antwort auf die Frage wie es zu psychischen Erkrankungen kommt beschreibt die Integrative Therapie unter anderem in ihren drei Modellen zur Pathogenese:

  1. Pathogenesemodell der Entwicklungsnoxen
  2. Pathogenesemodell der zeitextendierten, multifaktoriellen Überlastung
  3. Pathogenesemodell der Repression, Dissoziation, Retroflexion und der Selbstanästhesierung

 

Pathogenesemodell der Entwicklungsnoxen

Im Laufe der Entwicklung kann es durch Defizite, Traumata, Mangelerfahrungen oder Konflikte (falls nicht genügend Kompensationsmechanismen gegeben sind) zu Störungen der Persönlichkeit in den drei Ebenen Ich, Selbst und Identität kommen (Leitner, 2010). Da es in der Pflege nicht möglich ist sich von gewissen Konflikten oder auch traumatischen Erlebnissen (z.B. dem Tod von Kindern oder sehr jungen Patienten) vollständig zu schützen, ist es hier nur möglich Kompensationsmechanismen zu entwickeln, die einen psychohygienischen Wert haben. Diese können im Bereich der Ich Ebene das Fördern der Kreativität oder auch des differenzierten Fühlens wie sie in Achtsamkeitskonzepten vorkommen sein.

 

Pathogenesemodell der zeitextendierten, multifaktoriellen Überlastung

Dieses Modell geht davon aus, dass Menschen in ihrem Leben immer wieder schwierigen Situationen ausgesetzt sind. „Wenn dem Individuum die Bewältigung zu seiner und zur Zufriedenheit anderer gelingt, trägt das entscheidend zu einer stabilen Identität bei. Kann es den Anforderungen nicht gerecht werden, kann es zu Überforderungen (Distress) kommen“ (Leitner, 2010, S. 171).

 

Pathogenesemodell der Repression, Dissoziation, Retroflexion und der Selbstanästhesierung

Der Mensch lebt mit Gefühlen. Gesunde Menschen finden einen passenden motorischen oder emotionalen Ausdruck. Wird dieser verhindert können psychische Erkrankungen entstehen (Petzold, 2003).

Für Pflegepersonen ist es nicht immer leicht, die emotionale Lage auszudrücken. Beispielsweise könnte es vom Patienten als unangenehm oder unangemessen interpretiert werden, würde die Pflegeperson beim Anblick einer Wunde ihre möglicherweise empfundene Abscheu oder Eckel zeigen. Es sollte aber möglich sein, die Gefühle wahr zu nehmen und sie zu benennen. Diese könnten dann in Inter- oder Supervison  besprochen werden. In einem funktionierenden Team sollte es zudem möglich sein, emotional belastende Tätigkeiten an andere Kolleginnen oder Kollegen abgeben zu können. Da nicht jeder Mensch die gleiche Situation als z.B. ekelig empfindet bieten sich hier viele Möglichkeiten der Arbeitsteilung. Werden die in der Krankenpflege üblichen Hygienemaßnahmen wie Hände waschen und desinfizieren bewusst gestaltet kann dies auch eine „psychische Hygiene“ bewirken.


Petzold bringt die Theorien zur Pathogenese auf den Punkt wenn er schreibt: „Auch das Wissen und die Liebe heilen, und sie werden unverzichtbar, wenn die ‚Natur ihren Lauf nimmt’ und die Krankheit zum Tode führt (Krankheit ist eben nichts ‚Un-natürliches’) (Petzold, 2003, S. 451).

 

Das Salutogenesemodell von Aaron Antonovsky

Der amerikanisch-israelische Medizinsoziologe Antonovsky führte 1970 eine Untersuchung an zwischen 1914 und 1923 geborenen Frauen durch bei der die Adaptation an das Klimakterium untersucht werden sollte. Die Untersuchung wurde mittels Fragebogen durchgeführt und enthielt neben Fragen zur psychischen Gesundheit auch eine Frage nach dem Aufenthalt in einem Konzentrationslager. Er setzte die Daten in eine Tabelle und erhielt eine Gruppe von Frauen die das Konzentrationslager überlebten und eine Tabelle von Frauen welche nie in einem solchen Lager inhaftiert waren. Dem gegenüber stellte er die Prozentangaben über psychische Gesundheit dieser Personen. Er erkannte, dass 51% der Frauen, welche nicht inhaftiert waren, sich psychischer Gesundheit erfreuten und 29% der Frauen mit Konzentrationslager „Erfahrungen“. Für ihn war jedoch die Tatsache des prozentuellen Unterschiedes der Gesundheit nicht besonders interessant, er fragte sich vielmehr, was diese 29% der Frauen psychisch gesund bleiben lies, obwohl sie solches Grauen erleben mussten. Außerdem entdeckte er einen Zusammenhang zwischen psychischer und körperlicher Gesundheit (Antonovsky, 1997). Aufgrund dieser Erkenntnis entwickelte er das Konzept der Salutogenese.

Dieses Konzept ist für die Psychotherapie von Bedeutung, da Menschen wie schon beschrieben immer wieder in schwierigen Situationen sind und Krisen erleben. Viele von ihnen bleiben gesund, manche hingegen werden an einer psychischen Störung  erkranken. Doch was unterscheidet diese Menschen voneinander? Antonovsky meint, es ist das „sense of coherence“ oder SOC. Es gibt in der Literatur mehrere Übersetzungen, am stimmigsten sollte jedoch das Wort Kohärenzgefühl zu seinem Konzept passen.

Das SOC lässt sich auf drei zentrale Komponenten zurückführen: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Die inhaftierten des Konzentrationslagers, welche gesund geblieben waren, hatten ein Gefühl verstehen zu können, wie ein KZ funktioniert. Sie konnten sich- wenn auch nur ein geringes Maß an Selbstbestimmung bewahren und erkannten trotz dieser schlimmsten Erfahrungen einen Sinn in ihrem Leben und ihren Aktivitäten (Petzold, 2010).

Dieses Konzept lässt sich auf alle Lebenslagen anwenden. Es geht darum, eine bestimmte Sicht auf die Dinge zu haben bzw. eine „gesunde“ Einstellung den Dingen gegenüber. Auch Bereicht des Todes und Sterbens werden hier gemeint: „Wer Sterbende begleitet hat, hat oft eine Gewissheit  oder zumindest eine Ahnung davon bekommen, dass der Tod etwas sehr Heilsames hat oder haben kann. Gleichzeitig ist es sehr schwierig, dies auszusprechen, weil doch für viele der Tod etwas ist, was sie um jeden Preis vermeiden wollen“ (Petzold, 2010, S. 45). Wer seine Eindrücke aber reflektiert, kann ein Gefühl von Stimmigkeit erleben. Stimmigkeit könnte hier auch mit Verstehbarkeit im Sinne des SOC verstanden werden.

Doch wie kommen Menschen zu einer Einstellung die für die Gesundheit förderlich ist? Nach Antonovsky (1997) bildet sich das SOC durch Erfahrungen in den ersten Lebensjahrzehnten. Wenn der junge Mensch in dieser Zeit  die Erfahrung macht, das Leben laufe nach bestimmten Regel ab (Verstehbarkeit), es ist bis zu einem gewissen Grad möglich darauf Einfluss zu nehmen (Handhabbarkeit) und auch Bedeutsam für das weiter vorankommen wird er ein starkes Kohärenzgefühl entwickeln. Während Antonovsky also davon ausgeht, dass sich das SOC hauptsächlich durch Lebenserfahrungen im Säuglingsalter, Kindheit und Adoleszenz bildet und dann relativ konstant bleibt meinen jedoch andere Autoren wie Petzold, dass Veränderungen im  Leben jederzeit möglich sind.

Ähnlichkeiten sind auch mit dem Resilienzmodell zu finden. Während das Salutogenesekonzept die Frage stellt: „Was erhält den Menschen auch in ungünstigsten Bedingungen gesund“? so geht das Resilienzmodell einen Schritt weiter. „Ausgangspunkt für die Entwicklung des Resilienzkonzepts ist die Beobachtung, dass nicht alle Menschen, die widrigen Bedingungen ausgesetzt sind, Schaden nehmen. Etwa jeder dritte Mensch verfügt über so viel Widerstandsfähigkeit, dass er belastende Ereignisse und ungünstige Rahmenbedingungen gut verkraftet“ (Siegrist, Luitjens, 2011, S. 28-29). Resilienz lässt sich mit zurückspringen oder abprallen übersetzen. Dies beschreibt recht gut worum es geht. Das Konzept geht davon aus, dass Menschen diese Widerstandskraft auch trainieren bzw. darauf Einfluss nehmen können. Siegrist und Luitjens (2011) beschrieben, dass eine stabile Persönlichkeit mit emotionaler Stabilität, kognitiven Fähigkeiten und Kontaktfähigkeit förderlich sind. Diese Faktoren sind möglicherweise für viele Menschen trainierbar. Vor allem Kontaktfähigkeit ist bei vielen Pflegepersonen ohnehin stark ausgeprägt. Somit besitzen sie damit schon eine große Ressource im Umgang mit schwierigen Situationen.

Als zweiter Faktor wird noch eine proaktive  Grundhaltung genannt, welche durch Selbstverantwortung, tragfähige Sinnkonzepte, Akzeptanz und Lösungsorientierung definiert wird. Schließlich werden noch ein förderliches Umfeld und das Zurückgreifen auf bereits bewährte Strategien genannt. Dies deckt sicht gut mit den zentralen Einflussfaktoren Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit des Salutogenesekonzept.

 

Die Integrative Therapie geht wie schon erwähnt davon aus, dass Veränderungen während des ganzen Leben möglich sind. Dies wird durch die Gehirn- und Psychotherapieforschung gestützt (Leitner, 2010).

 

Möglichkeiten der Gesundheitsförderung aus Sicht der Integrativen Therapie

Die Integrative Therapie hat aufgrund ihrer konzeptionellen Ausrichtung ein breites Spektrum an gesundheitsförderlichen Möglichkeiten. Diese finden sich hauptsächlich in den Konzepten zur Förderung und Heilung sowie dem Salutogeneseansätzen von Petzold. Zusätzlich wird durch die Integration von anderen therapeutischen Schulen deren Potential nutzbar.

Die Beschreibung der vier Wege der Heilung und Förderung dient vor allem dazu praktische Anwendungen, Techniken und Wirkungsweisen multipler Heilungs- und Entwicklungsprozesse zu beschreiben. Das Modell sollte jedoch auch dazu verwendet werden können, gesundheitsförderliche Maßnahmen und Handlungen einzuordnen (Leitner, 2010).

Die 4 Wege der Heilung und Förderung nach Petzold (2003) sind:

  1. Bewusstseinsarbeit
  2. Emotionale Differenzierungsarbeit, Nachsozialisation und „Nachbeelterung“
  3. Kreative Erlebnisentdeckung, ressourcenorientierte Erlebnisaktivierung und alternative Handlungsmöglichkeiten
  4. Alltagspraktische Hilfen, Solidaritätserfahrung

 

Ausdauertherapie

„Der Psychologe Hilarion Petzold, lange Jahre Professor für Bewegungswissenschaften, hat seit Ende der 60er-Jahre die Ausdauertherapie in die Psychotherapie eingeführt. Er empfiehlt depressiven Patienten heute Nordic Walking, das Laufen mit zwei Stöcken. Denn das kann man zu jeder Jahreszeit ohne großen Aufwand machen. Viele Muskeln werden dabei bewegt. Die Art des Gehens hilft zudem, sich aufzurichten und die Verbindung zu dem Boden zu spüren, der uns trägt“ (Geuter, 2009). Bereits in griechischen Tempelkrankenhäusern in Pergamon oder Kos gab es ein angegliedertes Stadion zur körperlichen Betätigung der Kranken. Damals war schon bekannt, dass die körperliche Ertüchtigung einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden hat (Waibel, Petzold, 2009). Laufen oder Nordic Walking wird seither aber nicht nur bei Erkrankungen eingesetzt sondern dient unter anderem auch zur Prophylaxe von Herz- und Kreislauferkrankungen und Demenz. Daher sollte dieses Training auch für Pflegepersonal, welches immer wieder mit schwierigen Situationen im Beruf meistern muss, empfohlen werden.

Die Wirkung beruht dabei auf drei Wirkfaktoren: Die Neurobiologischen Wirkfaktoren  sind einerseits Neurotransmitter bzw. Endorphine. Es werden beim Laufen bzw. bei der Bewegung vermehrt Serotonin und Dopamin im Limbischen System ausgeschüttet. „Diese Veränderungen finden sich sowohl bei depressiven wie bei nicht-depressiven Personen“ (Waibel, Petzold, 2009, S. 93). Dies bestätigt nochmals den positiven Einfluss auf die Gesundheit speziell bei Pflegepersonen. Zusätzlich kommt es auch noch zu einer erhöhten Endorphinausschüttung. Diese körpereigenen Opiate wirken vor allem schmerzstillend und berauschend. Weiters werden bestimmte Gehirnareale besser durchblutet und die Muskulatur gelockert und entspannt (vor allem nach dem Training).

Der zweite und in dem Kontext der Pflege nicht weniger wichtige Faktor ist der psychologische Wirkmechanismus. Durch das Laufen kommt es zur Ablenkung von arbeitsspezifischen Gedanken und zum Hinlenken auf die Natur bzw. Umgebung. „Ausdauertherapie sollte das Ziel haben, das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten und die Fähigkeiten, das eigene Leben zu meistern wiederherstellen“ (Waibel, Petzold, 2009, S. 96). Damit sprechen sie natürlich in erster Linie depressive Menschen an. Aber ein gutes Selbstbild und Selbstkompetenz sind Fähigkeiten, die Menschen in helfenden Berufen brauchen um psychisch gesund zu bleiben.

Wird das Lauftraining in der Gruppe absolviert kommen auch noch soziale Wirkfaktoren (Wir-Gefühl, Synchronisation mit anderen,…) zum tragen.

Waibel und Petzold (2009) empfehlen für depressive Menschen eine Pulsuhr zu verwenden um die Herzfrequenz exakt ermitteln zu können. Die Selbsteinschätzung ist oft nicht ausreichend und so wird oft im anaeroben Bereich trainiert. Folgende Regel sollte dabei für Männer gelten: 220-Lebensalter; davon 55-75%. Bei Frauen wären es 226-Lebensalter und dann ebenfalls 55-75%. Das heißt: Für einen 30 jährigen Mann wäre eine Pulsfrequenz zwischen 105 und 143 ideal. Daraus ergibt sich dann auch die Lauf- bzw. Gehgeschwindigkeit. Bei Trainierten kann dies schon mal ein flotterer lauf sein, bei Untrainierten wird es Nordic walking sein. Durch die Herzfrequenzmessung ist es auch möglich, das eigene Körperempfinden zu Geschwindigkeit und Anstrengung zu objektivieren und dadurch eine „Rückmeldung“ zu erhalten. Außerdem verbessert die Messung die Motivation, da der Leistungsfortschritt gut ersichtlich ist.

Es muss aber auch noch darauf hingewiesen werden, die körperliche Ebene nicht zu vergessen. So wie die Integrative Therapie den Menschen als Körper-Seele-Geist Subjekt in seinem Kontext und Kontinuum sieht, müssen unter anderem auch ernährungsmedizinische und andere prophylaktische Maßnahmen angewendet werden um einen gesunden Leib zu fördern. Oder wie der römische Dichter Juvenal schon gemeint hatte: „Mens sana in corpore sano“ oder: „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.